Bedeutung und Verbreitung von griechischem Rotwein
Griechischen Rotwein findet man heute in allen Anbaugebieten Griechenlands. Auf den kĂŒhlen HĂ€ngen im Norden, in Thrakien oder Makedonien, in der Ebene von Thessalien oder im Gebirge von Pilion. Oder in der kleinsten, am wenigsten besiedelten und rauesten griechischen Region: Epirus, wo 80 % der Landschaft gebirgig sind. Und auch in den weiteren Anbaugebieten des Festlandes: Zentralgriechenland, Peloponnes. Ganz hervorragende Rotweine kommen auch aus den drei Insel-Anbaugebieten: die Ionischen Inseln vor der WestkĂŒste, die ĂgĂ€ischen Inseln und schlieĂlich Kreta. In diesen unterschiedlichen Anbaugebieten wachsen gĂŒnstige hochwertige Alltagsweine sowie groĂe, epische Rotweine. Ebenfalls sind hier auch viele spannende Naturweine oder Raw-Weine zu finden, die gleichermaĂen einen Trend in der heutigen Weinwelt bilden.
Von den 61.500 Hektar AnbauflĂ€che fĂŒr Reben in Griechenland sind ca. 40 % mit roten Rebsorten fĂŒr Rotweine bestockt.
Rote Rebsorten â authentisch und charaktervoll
Griechische Rebsorten bereichern das internationale Rotweinangebot mit individuellen Geschmacksprofilen. Wenn Sie sich darauf einlassen, können Sie wahre SchĂ€tze entdecken. Dabei sind sie einzigartig, charaktervoll, absolut authentisch und sehr langlebig. Viele werden von der zweiten und dritten Generation innovativer griechischer Weinmacher produziert, die mit ihrer international erworbenen Expertise, ihrer Leidenschaft fĂŒr höchste QualitĂ€t und Experimentierfreudigkeit ĂŒberzeugen.
Bei den roten griechischen Rebsorten dominiert die Agiorgitiko mit 5,3 % der GesamtanbauflĂ€che Griechenlands, gefolgt von der Liatiko mit 3,9 %, der Xinomavro mit 3,4 %, der französischen Cabernet Sauvignon mit 3,1 %, Mavroudi mit 2,7 %, der französischen Merlot mit 2,4 %, Kotsifali mit 2,2 %, Romeiko mit 1,8 % und vielen weiteren. Dieser Fakt wundert nicht, denn Griechenland bietet eine Vielfalt von ĂŒber 300 autochthonen Rebsorten (rot und weiĂ), die international ihresgleichen sucht. Diese garantieren eine willkommene Abwechslung von den internationalen Rebsorten, die den heutigen Markt dominieren.
Agiorgitiko
Agiorgitiko, auch bekannt als Mavro Nemea, ist mit einer AnbauflĂ€che von 3.315 Hektar die am weitesten verbreitete rote Rebsorte Griechenlands, auĂerdem ist sie eine der Ă€ltesten Rebsorten der Welt. Sie wird hauptsĂ€chlich in Nemea, der gröĂten PDO-Region Griechenlands, auf dem Peloponnes angebaut, auf Höhenlagen zwischen 300 und 1.000 Metern, und benötigt zur Entfaltung ihres vollen Potenzials karge Böden. Es ist eine Ă€uĂerst faszinierende Rebsorte, die in keinem anderen Land kultiviert wird und eine groĂe Bandbreite an Stilen hervorbringt. Von jungen und unkomplizierten Rotweinen ĂŒber frische Sommer-RosĂ©s bis hin zu extraktreichen und opulenten Vertretern ihrer Art ist alles dabei. Die Agiorgitiko bringt intensive Aromen von Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, sĂŒĂen GewĂŒrzen und dunkler Schokolade mit ausgewogenem Tannin. Einen guten Agiorgitiko nicht zu mögen, ist also fast unmöglich.
Ăbersetzt bedeutet Agiorgitiko der Heilige Georg, bezugnehmend auf den alten Namen Nemeas, âAgios Georgisâ. Im deutschen Sprachraum wird sie deshalb auch St.-Georgs-Rebe genannt.
Xinomavro
Die geheimnisvolle Xinomavro zĂ€hlt zweifellos zu den kapriziösesten Rebsorten SĂŒdeuropas: elegant, aber eigenwillig. Sie stellt immense Anforderungen an den Winzer, gerade in Sachen Pflege und Vinifizierung, und ebenso hoch ist auch ihr Anspruch an das Terroir. Aber sie besitzt noch zwei weitere, ganz besondere Eigenschaften: Sie ist verblĂŒffend wandlungsfĂ€hig und zeigt ein groĂes Lagerpotenzial. Die charaktervollen Rotweine sind von leuchtend roter Farbe, mit robusten Tanninen, komplex, mit frischer SĂ€ure und mittelkrĂ€ftigem Körper, die von Tomaten- und Olivenaromen wissen.
Xinomavro wÀchst vor allem im Norden Griechenlands und ist die typische Rebsorte des Anbaugebietes Makedonien.
Mavrodaphne
Eine der bekanntesten roten Rebsorten Griechenlands in Deutschland ist die Mavrodaphne. Allerdings gilt diese Tatsache nur fĂŒr den sĂŒĂen PDO Mavrodaphne von Patras oder Kephalonia. Nur Erzeugnisse aus diesen beiden PDOs fĂŒr sĂŒĂen Wein dĂŒrfen auf dem Etikett den Namen Mavrodaphne tragen. Und nur wenige Weinliebhaber wissen, dass aus der Mavrodaphne auch trockene Spitzenweine gekeltert werden können. Diese Rebsorte mit der tiefdunklen, fast schon schwarzen Farbe, den dichten Aromen getrockneter Pflaumen und Kirschen sowie den komplexen KrĂ€uternoten ist durchaus etwas fĂŒr anspruchsvolle WeingenieĂer. Die runden, charmanten und unverwechselbaren Rotweine zeigen eine mittlere, weiche SĂ€ure und einen mittleren bis krĂ€ftigen Körper.
Die meisten Mavrodaphne-Weinberge finden sich auf dem Peloponnes und der ionischen Insel Kephalonia. Mavrodaphne bedeutet ĂŒbrigens zu Deutsch âSchwarzer Lorbeerâ.
Liatiko
Mit der kretischen Liatiko werden aromatische, leicht sĂ€urebetonte Weine erzeugt. Diese Rebsorte bringt sehr feine trockene Rotweine und legendĂ€re SĂŒĂweine hervor. Die Liatiko-Weine entwickeln sich mit der Zeit sehr gut. Einige trockene Liatikos lassen sich zehn oder mehr Jahre lagern. Die sonnengetrockneten Liatiko-SĂŒĂweine sind eine Investition fĂŒr die Ewigkeit.
Der Name der Liatiko-Traube leitet sich vom griechischen âIouliatikoâ fĂŒr âJuliâ ab. Eine Anspielung auf den frĂŒhen Reifepunkt.
Romeiko
Einst war Romeiko eine der bedeutendsten Rebsorten Kretas und nahm ĂŒber 80 % der RebflĂ€che der Insel ein. Heute bestehen dort noch circa 1.000 Hektar, ĂŒberwiegend in der Region Chania im Westen der Insel. Romeiko wird fĂŒr krĂ€ftige Rotweine, RosĂ©s und krĂ€ftige, saftige WeiĂweine mit guter Struktur verwendet. Je nach Art zeigt der Wein ein komplexes Aromaprofil und eine mittlere bis hohe SĂ€ure mit kraftvollem Körper. Sie wird kaum als rebsortenreiner Rotwein abgefĂŒllt und ist meist Bestandteil einer CuvĂ©e. Romeiko eignet sich auch hervorragend fĂŒr Blanc de Noirs.
Der Name der Romeiko leitet sich höchstwahrscheinlich von der traditionellen Bezeichnung âRomiosâ fĂŒr die Neugriechen ab (wörtlich âRömerâ als ehemaliges Staatsvolk des Byzantinischen Reiches).
Avgoustiatis
Avgoustiatis heiĂt eine jener seltenen griechischen Rebsorten, die nur von einer Handvoll Weinproduzenten angebaut werden. Sie liefert beeindruckende, qualitativ hochwertige Weine, was ihre fortwĂ€hrende Kultivierung erklĂ€rt. Die Avgoustiatis produziert hauptsĂ€chlich elegante, fruchtig duftende, trockene Rotweine. Sie besitzt eine tiefe, leuchtend rote Farbe, weiche Tannine und einen knackigen SĂ€uregehalt. Die krĂ€ftigen Aromen reichen von roten Beeren, Pfeffer und Schokolade bis zu mediterranen KrĂ€utern. Der Wein mit mittlerem Körper ĂŒberzeugt durch ausgewogenen Geschmack und langen Nachhall. Griechische Weinkunst vom Feinsten!
Die Sorte stammt ursprĂŒnglich von der ionischen Insel Zakynthos. Heute wird sie auĂerdem auf Korfu, auf dem Peloponnes und auf den Kykladen-Inseln in der ĂgĂ€is angebaut.
Limnio
Limnio kommt aus dem Norden, vom Heiligen Berg Athos. Sie ist der Liebling der dort lebenden Mönche. Der Berg Athos ist eine Mönchsrepublik auf dem gleichnamigen östlichen Finger der Halbinsel Chalkidiki im Norden Griechenlands. Die Klostergemeinschaften auf Athos betrachten Wein als Geschenk Gottes. Die Rebsorte Limnio wird dort seit etwa dem 9. Jahrhundert fĂŒr die Herstellung des legendĂ€ren Klosterweins gekeltert.
Wahrscheinlich ist Limnio nicht nur die Ă€lteste kultivierte Sorte Griechenlands, sondern der ganzen Welt. Sie wird auf der Insel Limnos (PDO-Gebiet), in Nordgriechenland und in Thrakien angebaut. Limnios tragen ein mittleres Rubinrot, sind elegant in Aromen und Geschmacksrichtungen. Der Wein wird dominiert von frischen, aromatischen KrĂ€utern wie Salbei und Thymian sowie von eleganten roten BeerenfrĂŒchten. Am Gaumen zeigt er eine mittlere, weiche SĂ€ure, runde und sehr seidige Tannine, einen mittelkrĂ€ftigen Körper und einen mĂ€Ăig hohen Alkoholgehalt. In reinsortiger Vinifizierung weist der Limnio einige Ăhnlichkeit mit guten roten Pinot Noir / SpĂ€tburgundern auf.
Und es gibt noch so viele weitere rote autochthone Rebsorten, z. B. Agiannitis, Chiotiko Krassero, Fokiano, Kotsifali, Mandilaria, Tsapournakos ⊠und ⊠und ⊠und âŠ
Internationale rote Rebsorten
Die vielfĂ€ltigen Terroirs des Weinlandes Griechenlands bieten ebenfalls beste Rotweine aus internationalen roten Rebsorten. Denn die internationalen Rebsorten nehmen etwa 10 % der GesamtanbauflĂ€che Griechenlands ein und spiegeln damit ein breites Spektrum an Terroirs wider. Zu nennen sind hier vornehmlich Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot, Grenache, Malbec und Cabernet Franc, und die Liste kann fortgefĂŒhrt werden. Auch die Kombination von internationalen und heimischen Rebsorten erzeugt Weine von einzigartigem Charakter. Cabernet Sauvignon verstĂ€rkt oft SĂ€ure, Körper und Struktur des Agiorgitiko. Neben der klassischen Kombination mit Cabernet Sauvignon wird der griechische Merlot hĂ€ufig mit Xinomavro verschnitten. Syrah verbreitete sich in relativ kurzer Zeit in griechischen Weinbergen. Interessant sind auch die Xinomavro-Syrah-CuvĂ©es aus Nordwestmakedonien oder die âBordeaux Blendsâ aus dem Peloponnes oder Thessalien.
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