Charmantes Understatement
Agiorgitiko ist eine sehr faszinierende Rebsorte, die eine große Bandbreite an Stilen hervorbringt. Die Griechen bezeichnen sie als „polydynamisch“. Am verbreitetsten sind Rotweine – sowohl jung und unkompliziert als auch extraktreich, opulent und fassgereift.
Aller Ehren wert sind aber auch erfrischende Rosé-Weine und konzentrierte Süßweine. Egal, welcher Stil bevorzugt wird, gemeinsam ist allen, dass sie auf eine subtile Art charmant sind. Freunden des Merlot aus der Toskana sei dies an dieser Stelle gesagt.
Ein junger Agiorgitiko zeigt eine purpurrote Farbe, intensive Aromen von Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren, süßen Gewürzen und dunkler Schokolade – bei weicher Säure und leichtem bis mittelschwerem Körper.
Die in Eiche gereiften Exemplare sind von tiefroter Farbe. Die Nase weist konzentrierte und komplexe Aromen von roten Früchten auf. Der Gaumen ist reich und feinkörnig, ohne zu tanninhaltig, alkoholisch, süßlich oder fett zu sein. Ein im Barrique ausgebauter Agiorgitiko ist für Liebhaber dieses Weinstils nahezu von mythischer Konzentration und Tiefe.
Hoch hinauf und hoch hinaus
Agiorgitiko ist mit einer Anbaufläche von 3.830 Hektar die am weitesten verbreitete rote Rebsorte Griechenlands. Der Ursprung der Rebe wird in den Regionen Argolis und Korinthia auf dem Peloponnes vermutet. Sie wird hauptsächlich in Nemea angebaut, mit 2.500 Hektar fast der größten PDO-Region Griechenlands. Weitere Anpflanzungen finden sich auf dem griechischen Festland in Kavala, Drama und Attiki.
Nemea ist der Name eines antiken Zeusheiligtums und liegt etwa 25 Kilometer südwestlich von Korinth auf dem Peloponnes.Die Region ist kein homogenes Weingebiet, sie setzt sich aus einer Vielzahl von Weinbergen zusammen, die sich hinsichtlich Exposition, Höhe und Boden sehr voneinander unterscheiden können. Das Resultat ist eine Vielzahl von Weinen, die ein großes stilistisches Spektrum abdecken. Polydynamisch, wie gesagt.
Agiorgitiko ist eine spätreifende Sorte, die im Tiefland erst Mitte September geerntet wird. Auf nährstoffarmen Böden erzielt die Rebe besonders gute Resultate.
Die Reben wachsen auf Höhen von 300 bis über 1.000 Metern, womit Nemea mit zu den höchsten Anbauregionen für Rotwein in Europa zählt. In Höhenlagen erreichen die Phenole und Aromata der Rebe aufgrund der längeren Vegetationsperiode ihre volle Reife.
Wussten Sie eigentlich, dass …
… schon Homer Nemea kannte? Er nannte die Region „Ampeloessa“, was so viel wie „voll von Reben“ bedeutet. In der Ilias schrieb der um 850 v. Chr. lebende Dichter ferner: „Der Wein erneuert die Kraft ermüdeter Männer“. Dass er sich damit auf den löwenkampfesmüden Herkules bezog, ist eher unwahrscheinlich.