Weinbau im Vormarsch
Thessalien weist den höchsten Anteil ebenen Landes in Griechenland auf, weshalb die Region auch den Namen „O Kambos“ (die Ebene) führt. Die Wirtschaft basiert in erster Linie auf der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte. Wichtigste Erzeugnisse sind dabei Getreide und Baumwolle. Das Klima in Thessalien ist problematisch für den Weinbau, weil es recht feucht ist, was der Ausbreitung von Pilzkrankheiten in den Weinbergen entgegenkommt. Deshalb spielte der Weinbau über lange Jahre eher eine Nebenrolle. Die massiven Preiskämpfe in Baumwolle und Getreide verhalfen dem Weinbau schließlich zu steigender Popularität.
Etwa zwei Drittel der Rebfläche entfallen auf den Anbau von Tafeltrauben und Rosinen. Diese Trauben gedeihen in mildem, feuchtem Klima. Die Weinstöcke stehen auf eisenhaltigen Schiefer- und Kalkböden mit Sand-Lehm-Unterlage; an der Küste herrscht Schwemmland vor.
Empfohlene Rebsorten in der Region sind Savatiano, Roditis und Limniona, die durch die internationalen Sorten Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Syrah ergänzt werden. Zugelassen sind ferner Cinsault und Batiki. Nach einer Analyse des Weinbauinstituts von Athen verfügt die Region mit der eigenständigen Limniona, nicht zu verwechseln mit Limnio, über eine Sorte mit hohem Qualitätspotenzial.
Die Weine Thessaliens
Thessalien wird in vier geographische Regionen unterteilt: Larissa, Karditsa, Trikala und Magnisia. Obwohl die Rebfläche für die Erzeugung von Keltertrauben in Thessalien relativ klein ist, gibt es doch drei PDO (geschützte Ursprungsbezeichnung): Rapsani (Larissa), Anchialos (Magnisia) und Messenikola (Karditsa).
Larissa
Hier befindet sich die wichtigste Appellation Thessaliens, die PDO Rapsani. Die Flächen liegen in den Gemeinden Krania, Pyrgetos, Abelakia sowie der namensgebenden Rapsani, direkt vor dem Tempi-Tal und neben dem Gebirgsmassiv Ossa. Die meisten Weinberge befinden sich in östlicher und südöstlicher Lage an den Hängen des höchsten Bergs Griechenlands, des Olymp (2.918 Meter), auf einer Höhe, die bei 150 Metern beginnt und auf bis zu 750 Meter ansteigt. Die Verbindung des Olymps mit der Ägäis schafft ein einzigartiges Mesoklima, das eine optimale phenolische Reife der Trauben erlaubt. Es werden drei Sorten angebaut: Xinomavro, Krasato und Stavroto, alle drei rot. Aus ihrer gemeinsamen Vinifizierung wird der PDO Rapsani Wein erzeugt, ein reicher Rotwein mit markantem Bukett.
An den östlichen Hängen des Olymps, in dem traditionellen Ort Krania, sind der Boden und das Mikroklima ausgezeichnet, Regenfälle selten, der Sommer ziemlich frisch mit morgendlichen Meeresbrisen von der Ägäis und Bergwinden am Nachmittag. All das begünstigt den Weinbau und führte zur Pflanzung der erlesenen französischen Sorten Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Weinberge befanden sich ursprünglich in dem Gebiet der PDO Rapsani, aber Domaine Katsaros war mit der vorgeschriebenen Rebsortenauswahl (Xinomavro, Krasato und Stavroto) unzufrieden und schaffte es im Alleingang, das Dorf Krania von der Appellation auszuschließen, so dass für die roten Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot und für die weiße Sorte Chardonnay eine eigene PGI (geschützte geographische Angabe) erstellt werden konnte.
Die größte Anpflanzung in den thessalischen Weinbergen befindet sich in Tyrnavos. Hier keltert man überwiegend einfache Weine sowie Grundweine für den Tsipouro, den traditionellen griechischen Tresterbrand. Auf diesen ebenen Anbauflächen mit nordöstlicher Ausrichtung wachsen überwiegend Muscat de Hambourg, Savatiano, Roditis und Batiki. Einige ambitionierte Winzer keltern neuerdings aber auch sehr bemerkenswerte Weine aus der Gegend, z. B. das Weingut Zafeirakis aus der vielversprechenden roten Rebsorte Limniona.
Karditsa
Ein Gebiet mit einer weiteren geschützten Ursprungsbezeichnung (PDO) breitet sich in den Ebenen um Karditsa und die Dörfer von Agrafa auf einer Höhe von 250 bis 700 Metern aus. Die Appellation Messenikola reicht bis an den Plastira-Stausee heran. Hier wird der rote PDO Mesenikola aus der Verbindung der gleichnamigen einheimischen Traube Mavro Messenikola mit Carignan und Syrah bereitet.
Trikala
Der Bezirk Trikala im Nordwestteil Thessaliens umfasst die Zone der PGI Meteora, also die Gemeinden Vasiliki, Kalambaka, Paralithei, Tymfees und Hasia. Die Gegend von Kalambaka in unmittelbarer Nähe der Felsen von Meteora und ihren byzantinischen Klöstern, die vor 600 Jahren auf riesigen senkrechten Felsen erbaut wurden, blickt auf eine lange Weinbautradition zurück. Angebaut werden dort Limniona, Assyrtiko, Malagousia, Batiki, Debina, Roditis, Zalovitiko, Xinomavro, Cabernet Sauvignon, Cinsault und Syrah. Spezialität sind trockene Rotweine, vor allem aus der Sorte Limniona.
Magnisia
An den Ufern des Pagasitischen Golfes, südlich der Stadt Volos, liegen die Weinberge von Anchialos. Auf kalkhaltigen Böden in einer Höhe von gerade einmal 100 bis 200 Metern über dem Meeresspiegel erzeugt Roditis den feinen weißen PDO Anchialos, einen Wein, der besonders erquickend ist, wenn er frisch getrunken wird.
Wussten Sie eigentlich, dass …
… sich um den Rapsani Legenden ranken, dass es sich bei diesem Wein um den legendären Ambrosia handele, den Trank der Götter? Grund für diese Annahme ist die privilegierte Lage des Weinbaugebiets am Fuße des Olymps, des Sitzes der Götter. In Rapsani beginnt auch die Weinstraße der Götter, sie führt in das Tal von Tempi, durch das der Fluss Pinios fließt und das die Berge Olymp und Kissavos trennt. Dann führt die Weinstraße der Götter des Olymps weiter Richtung Norden, in die Gegend von Pieria, wo die Weine mit g.A. (geschützte geographische Angabe) Pieria produziert werden.