Im Wandel der Zeit
Generell unterscheiden wir zwei Stile, die sich anhand des Flaschenetiketts identifizieren lassen. „Syrah“ bezeichnet den klassischen Rhône-Stil, „Shiraz“ nennen sich die konzentrierten Weine im opulenten australischen Stil. Beide Ausbauformen strahlen in dunkelvioletter Farbe und locken mit Aromen von Veilchen, Pflaume, Kirsche, Blaubeere und Leder. Syrah-Weine weisen sehr oft einen typischen Geschmack nach frisch gemahlenem Pfeffer auf. Sie sind gerbstoffbetont, mit ausgewogener Säure und kraftvollem Körper.
Die rote Syrah zählt zu den Rebsorten, deren Weine so viel Struktur aufweisen, dass sie sehr lange reifen können. Ihre höchste Vollendung findet die Rebe wohl in den großen Weinen der Côte-Rôtie und des steilen Hermitage-Weinbergs an der nördlichen Rhône, wo die Rebe erstmals 1781 unter dem Namen „Sira“ Erwähnung fand. Ferner spielt Syrah eine besondere Rolle in den Weinen des Châteauneuf-du-Pape und des Languedoc-Roussillon. Manche Winzer im nördlichen Rhône-Tal fügen bei der Vergärung weißen Viognier hinzu, beispielsweise bei E. Guigals berühmter Côte-Rôtie „La Turque“, der in der Regel 5 % Viognier enthält.
Der griechische Syrah-Wein nähert sich sehr stark dem Stil der Rhône an, fein, elegant, mit Biss und gutem Alterungspotenzial. Der Syrah von Manousakis Winery auf Kreta ist das beste Beispiel dafür: Bei einer Blindprobe mit den großen Syrahs aus der nördlichen Rhône hat der 2014er ausgezeichnet abgeschnitten. Interessant sind auch Xinomavro-Syrah-Merlot-Cuvées aus Nordwestmakedonien und außergewöhnlich ausgeprägte Kotsifali-Syrahs von Kreta, bei denen die Rebe die lokalen Sorten auf interessantere und komplexere Weise unterstützt, wie bei Klados Winery.
Die Früchte liefern aufgrund der dicken Schale viel Farbe und Tannin. So ist die Rebe geradezu prädestiniert für den Fassausbau.
Immer der Sonne nach
Syrah wird weltweit angebaut und vinifiziert. In Frankreich bleibt die Rebe uneingeschränkt populär – ca. 70 % der weltweit mit Syrah bestockten Rebfläche liegen dort. Wegen ihrer Liebe zum warmen Klima finden sich zunehmend Anpflanzungen im Süden von Spanien und Italien.
Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich die Rebe in der „Neuen Welt“, also in den USA, in Kanada sowie in Südafrika und Australien. Insbesondere „down under“ erkor den Syrah zu seinem Markenzeichen. Unter dem Namen Shiraz stehen dort etwa 40.000 Hektar unter Reben. Shiraz und Syrah sind übrigens identisch, jedoch nicht mit der kalifornischen Petite-Sirah-Rebe.
In Griechenland freuen sich inzwischen etwa 1.100 ha über die Bepflanzung mit Syrah. Das griechische Terroir scheint wie geschaffen für die Sorte. Lokale Weinbauexperten schätzen die Rebe als für griechische Weinberge und Klimazonen weitaus besser geeignet als jede andere Rebsorte aus Frankreich. Die Pflanze ist kräftig und empfindlich gegen Trockenheit. Sie liebt die Wärme. Die Trauben sind mittelgroß und kompakt. Syrah benötigt Standorte, die nicht zu frühen Frühjahrsfrösten neigen und die tiefe Granit- oder Schieferböden aufweisen.
Syrah stellt große Anforderungen an den Winzer. Der Traubenertrag ist mittelhoch bis hoch. Für eine gute Traubenreife empfiehlt sich eine Ertragsregulation. Bei ungünstiger Witterung (zu wenig Sonne) reift die Sorte schlecht; dies führt wegen des hohen Tanningehalts zu einem wenig erfreulichen Geschmack. Bei viel Sonnenschein zur Reifezeit kippt Syrah sehr schnell von der Reife zur Überreife, verliert ihre Säure und ihr fruchtiges Aroma. Gutes Timing ist also essenziell.
Wussten Sie eigentlich, dass …
… das Magazin Wine Spectator den Penfolds-Grange-Jahrgang 1990 als den „besten Rotwein der Welt“ bezeichnete und den Jahrgang 1955 als einen der besten zwölf Weine des 20. Jahrhunderts erwähnte? Der Grange von Penfolds aus Südaustralien wird meist als Cuvée aus durchschnittlich 95 bis 97 %, mindestens jedoch 87 % Shiraz verschiedener Lagen und Regionen ausgebaut. Hinzu kommen etwa 3 bis 5 %, maximal bis zu 13 % Cabernet Sauvignon, um den Wein auszubalancieren. Gewisse Jahrgänge sind zu 100 % aus Shiraz gekeltert und damit sortenrein.