Bordeaux, die Loire und interessante Cuvées aus Griechenland
Die ausdrucksstarke Sauvignon-Blanc-Traube ist leicht zu erkennen: Ihr Duft von grünen Stachelbeeren, die intensiven vegetabilen Aromen, die leicht grünliche Farbe und die knackige Säure machen sie unverwechselbar.
Die Rebe bringt sowohl junge, frische als auch komplexe und lagerfähige Terroirweine hervor. Die charaktervollen, säurebetonten Weißen mit ausgeprägter Aromatik glänzen mit einzigartiger Frische und Fruchtigkeit. Die intensiven fruchtigen Aromen erinnern an Paprika, Stachelbeere und Passionsfrucht. Sie offenbaren eine knackige Säure und einen mittleren bis kräftigen Körper.
Zu den bekanntesten Weinen zählen die großen Bordeauxs aus Pessac-Léognan oder Graves sowie aus Pouilly-Fumé und Sancerre an der Loire. Bei den exklusiven edelsüßen Weinen aus Sauternes und Barsac wird die Rebe mit honigduftendem Sémillon verschnitten und im neuen Holzfass ausgebaut. Diese Weine unterscheiden sich von ihren trockenen Schwestern und zeigen intensive Noten von Stachelbeere und Holunder.
In Griechenland nutzte man Sauvignon zu Beginn primär als Partner heimischer Sorten. Die Rebe verlieh den Cuvées ihre individuellen aromatischen Eigenschaften und verstärkte gleichzeitig die Frische der Weine. Insbesondere die Vermählungen von Sauvignon Blanc mit Assyrtiko in den Regionen Drama und Kavala (Makedonien) sind sehr empfehlenswert. Sauvignon Blanc verleiht der Mischung fruchtige Aromen und Säure, während der weniger aromatische Assyrtiko der Mischung Körper, Struktur, Komplexität und Alterungspotenzial verleiht.
Anfang der 1990er Jahre schufen Costas Lazaridi (der Bruder von Nikos Lazaridis) und sein Önologe den „Amethystos“. Bei diesem griechischen Kultwein gingen sie völlig anders vor: ein von Sauvignon Blanc dominierter Verschnitt, mit sorgfältig ausgewählten Hefestämmen im Stahltank vergoren, sehr aromatisch, irgendwo zwischen den kreidigen Noten der Loire und den exotischen Früchten der Neuen Welt. Der Amethystos öffnete neue Horizonte, eine völlig neue Art von Weißwein in Griechenland. Der Erfolg kam über Nacht und fand Nachahmer.
Während einige Erzeuger den aromatischen, grasigen und frischen Stil des Sauvignon Blanc bevorzugten, entwickelten andere erstklassige, im Eichenholz gereifte Weine und nannten sie früher Fumé. Die Aromen wurden abgeschwächt, aber durch Holz angereichert, während der Gaumen breiter und dichter wurde. Anfang der 2000er Jahre gründete Önologe Vassilis Tsaktsarlis mit Evangelos Gerovassiliou eines der renommiertesten Weingüter Griechenlands: Ktima Biblia Chora in Kavala, Makedonien. Dieses Weingut ist heute eine der besten Adressen für Sauvignon Blanc. Der 2018er Ovilos, eine Cuvée aus Sauvignon und Sémillon, gehörte 2019 bei den renommierten Kritikern von Decanter zu den besten 50 Weinen der Welt! Immerhin wurden knapp 17.000 Weine verkostet und bewertet.
Sauvignon Blanc ist eine eher unkomplizierte Rebsorte, die möglichst in kühleren Regionen angebaut werden sollte. Die Trauben sind im Allgemeinen eher klein und kompakt. Ihre Schale ist relativ dick.
Sauvignon Blanc enthält einen recht hohen Anteil sogenannter Pyrazine, die im Fall einer zu frühen Ernte einen sehr strengen Geschmackseindruck hinterlassen, der von Fachleuten als „Cat Piss“ bezeichnet wird. Sauvignon Blanc sollte auf wenig fruchtbaren Böden ausgepflanzt werden, denn die Rebe neigt sonst zum Wildwuchs. Sie treibt relativ spät aus, weshalb sie nur wenig unter Spätfrösten im Frühjahr zu leiden hat.
Wussten Sie eigentlich, dass …
… der Cabernet Sauvignon aus einer natürlichen Kreuzung des Cabernet Franc mit dem Sauvignon Blanc entstanden ist? Als DNA-Analysen diese Tatsache 1996 ans Licht brachten, war die Weinwelt einigermaßen erstaunt: eine weiße Traube als Elternteil einer roten – damit hatte niemand gerechnet.
In Griechenland seit den 1980er Jahren
Sauvignon gehört zu den zehn am häufigsten angebauten Rebsorten der Welt und ist die zweitwichtigste weiße Qualitätssorte nach Chardonnay.
In Griechenland ist Sauvignon Blanc spätestens seit den 1980er Jahren zu Hause. Die Anbaufläche beträgt ca. 750 Hektar. Die Rebe baute und verwendete man ursprünglich auf der Domaine Porto Carras in Chalkidiki, Makedonien, um einigen heimischen Reben Aromen hinzuzufügen. Einige Jahre später entstand bei Nicos Lazaridis weiter nördlich in Drama eine Cuvée aus Sémillon, Assyrtiko und Sauvignon Blanc, die an weiße Bordeauxs erinnerte.